Bilderstreit - Ikonodulen und Ikonoklasten

Orthodoxie und Ikonenkult

Im Westen war das Thema Bilderverehrung (Ikone) nie ein Thema; es fehlt einfach der geschichtliche Hintergrund, letztendlich die Erfahrung des hellenistischen Bilderkultes. Natürlich gibt es im Westen verehrungswürdige Bilder und Fresken von Heiligen oder Szenen aus dem Leben von Jesus Christus.

Griechisch-Orthodoxe Kapelle
Griechenland - Orthodoxe Kapelle

Die Stellung der Ikonen in der Orthodoxen Liturgie ist wesentlich höher einzuschätzen.In der Zeit vor dem Aufblühen der Christenheit war in Griechenland, einem Teil des "Oströmischen Reiches", der Bilderkult stark verbreitet, ja von zentralen Bedeutung. Die vorchristliche-griechische Philosophie wurde mit der Ausbreitung des christlichen Glaubens in ein "christliches Gewand" gesteckt, somit war auch die Basis für die Bilderverehrung gelegt.

Der eigentliche theologischer Konflikt entzündete sich an den Jesusdarstellungen. Zeigt die Abbildung nur den Menschen Jesus oder auch seine Göttlichlichkeit, oder nur Gott?

Misstrauen gegen Ikonen wuchs zusehends

Seit etwa 400 Jahren war das Christentum im byzantinischen Reich schon Staatsreligion, als der byzantinische Kaiser, Leon III., das erste Bilderverbot im Jahre 730 aussprach. Die Verehrung von Ikonen, die schon damals im byzantinischen Reich stark verbreitet waren, wurde dem Kaiser und den Kirchenfürsten zu extrem. Mönche hatten inzwischen einen großen Einfluss auf die Bevölkerung. Dies gefiel dem Kaiser und der geistlichen, kirchlichen Elite gar nicht. Auch erste islamische Einflüsse, dieser neuen Religion, waren Auslöser für das Bilderverbot.

Orthodoxe Messfeier
Orthodoxer Gottesdienst

Die geistliche Macht des Mönchtums über das gemeine Volk war den Herrschern ein Dorn im Auge. Der Ikonenglauben, die Ikonenverehrung, war zu dieser Zeit schon sehr im Volk ausgeprägt.

Ikonenverehrer setzen sich durch

Das Konzil im Jahre 787 in Nicäa beendete schließlich den Bilderstreit zugunsten der Bilderverehrer, den "Ikonodulen". Die Bilderverehrung, die Verehrung der Ikonen, wurde auf eine Stufe gestellt mit der Wertigkeit von Reliqien von Märtyrern und der Verehrung des Heiligen Kreuzes. Die endgültige Entscheidung fiel schließlich auf dem 4. Konzil im Jahre 843 in Konstantinopel zugunsten der Bilderverehrer.

Orthodoxer Geistlicher
Das Kreuz zu Küssen

Orthodoxe Kirche - Ikonenmalen als Dogma

Das Ikonenmalen wurde als kirchliches Dogma, als fester Inhalt der christlichen Glaubentheologie, festgeschrieben. Die Ikonen waren nun ins Kirchenleben fest integriert und standen unter der Kontrolle der Bischöfe, bzw. der geistlichen Führung der Kirche. Die Kirche bestimmte nun und legte fest, was und wie als Ikone gemalt werden durfte und was nicht. Damit war der etwaigen Wildwuchs an freien Darstellungen auf Ikonen vorbei.

Der Malstil, der Themenkanon und die Symbolik einer Ikone waren nun unter Kontrolle der Kirche. Dem Mönchtum war ein Teil seiner geistigen Macht genommen.