Machtzentrum Konstantinopel

Byzantinisches Reich am Bosporus

Kaiser Konstantin ließ sich im Jahre 337 nach Christus taufen. Die Hauptstadt seines Reiches wurde Konstantinopel. Der Kaiser gabe der Stadt Byzanz am "Goldenen Horn" seinen Namen.

Blaue Moschee in Istanbul
Blaue Moschee in Istanbul am Bosporus

Am Ende des 4. Jahrhunderts nach Christi Geburt vollzog sich die Teilung des "Christlichen Römischen Reiches". Man unterschied nun das "Weströmische Reich" und das "Oströmische Reich". Konstantinopel war das "Ost-Rom", die Residenzstadt der Orthodoxen Ostkirche.

Konstantinopel erblüht

Mehr als 1000 Jahre, bis zur Eroberung im Jahre 1453 nach Christus durch die Osmanen, war die Stadt Konstantinopel die Hochburg der Gottesgelehrtheit und der christlichen Kunst. In den 1000 Jahren der Vorherrschaft als Orthodoxes Machtzentrum erblühte die Stadt als kulturelles und geistiges Zentrum des Ostens. Die Entwicklung der Ikonenmalerei bekam einen großen Schub; die Maltechnik wurde verfeinert und weiterentwickelt. Neue Ikonendarstellungen wurden geschaffen und zugelassen. Unzählige Kirchen wurden errichtet und geschmückt mit kostbaren Mosaiken, Fresken und Ikonen.

Um das Jahr 1000 nach Christus soll es in Konstantinopel 392 Kirchen gegeben haben. Auch zahlreiche Reliquien von Aposteln und die Gebeine vieler Kaiser wurden dort aufbewahrt.

Osmanensturm - der Fall von Konstantinopel

Nach sechs Wochen Belagerung durch die Türken konnten sich die 7.000 Krieger in der stark befestigten Machtzentrale des byzantinischen Reiches am Goldenen Horn, dem Ansturm der Mohammedaner nicht mehr erwehren.

Hagia Sophia - Museum in Istanbul
Museum Hagia Sophia in Istanbul

In einer letzten Schlacht am 29. Mai 1453 ging das spätere Istanbul der christlichen Welt verloren. Mehrfach hatten die Muslimen zuvor unter großen Verlusten versucht, die Stadt zu erstürmen. Durch die strategische Lage am Bosporus war Konstantinopel bis dahin als Schutzwall gegen die Muslimen auf ihrem Weg nach Westen entscheidend.

Russland und die Mongolen

Fast zeitgleich zur Eroberung Konstantinopels konnte sich Russland im Jahre 1480 von der Knechtschaft der Mongolen. Diese grausamen Eroberer hatten das orthodoxe Leben in Russland fast zum erliegen gebracht. Russland wurde zu einem unabhängigen Staat. Das orthodoxe Glaubensleben konnte nun endlich frei ausgelebt werden.

Zerstörung christlicher Kulturgüter

Leider zerstörten die Türken nach der Eroberung fast alle christliche Kirchen und mit ihnen die unschätzbaren Kulturgüter. Der Rest wurde zu Moscheen umgewandelt. Heilige Bildnisse wurden zerstört bzw. die Augen der Heiligen herausgekratzt. Im Islam sind Abbildungen von Personen in Gotteshäusern nicht erlaubt. Für die Muslimen war diese Zerstörung rechtens, schließlich war die islamische Religion nun vorherrschend. Drei Tage lang wurde Konstantinopel geplündert und hunderttausende Menschen verloren ihr Leben. Der kulturhistorische Schaden war und ist bis heute gewaltig.

Galata-Turm im europäischen Istanbul
Galata-Turm im Stadtteil Galata in Istanbul

Erstaunlicherweise berichten die Geschichtsschreiber, dass die Zerstörung und Grausamkeit nicht so verheerend gewesen sei wie die im Jahre 1204 nach Christus. Kreuzritter haben etwa 250 Jahre vor den Muslimen Konstantinopel dem Erdboden gleich gemacht. Diese Tatsache ist einer der Gründe, warum die Orthodoxe Kirche eine Annäherung an die katholische Kirche lange ablehnte bzw. noch immer ablehnt.

Machtvakuum am Bospurus

Bis heute existiert das Patriarchat von Konstantinopel und sieht sich noch immer als das Zentrum der Orthodoxie. Ihm unterstehen aber nur noch kleine Bistümer, u.a. auch die "Mönchsrepublik Athos" in Griechenland. Der Patriarch wird als Ehrenoberhaupt der Orthodoxen Kirche verehrt und anerkannt. Nur einen Nachfolger wird das Patriarchat im Konstantinopel der modernen Türkei schwerlich finden. Dieser muss in der Türkei geboren und aufgewachsen sein. Dazu ist die Priesterausbildung untersagt. Sultan Mohammed II. wäre da nicht so intolerant gewesen, denke ich.